Schweden: Elchjagd vom Sofa aus

Schweden: Elchjagd vom Sofa aus

In Schweden gehört die Elchjagd zur kulturellen Identität. Im Herbst ziehen Tausende in die Wälder. Wer das körperlich nicht mehr schafft, hat nun eine bequeme Alternative.

Von Katharina Kaufmann, ARD-Studio Stockholm

In Schweden ist die alljährliche Elchjagd so etwas wie ein Volkssport. Das wissen viele in Deutschland nicht, die beim Anblick eines Elches im Skandinavien-Urlaub feuchte Augen bekommen. In Schweden haben die Menschen einen weit nüchterneren Blick auf die Causa Elch. Und der sieht so aus: Die Tiere verursachen einen beträchtlichen Teil der Autounfälle im Land, außerdem schmecken sie gut. Also ist es ok, sie zu jagen.

„Für viele ist die Elchjagd der Startschuss für die Jagdsaison. Die Hunde loszulassen, ist etwas Besonderes. Das Gebell der Hunde im Wald macht die Elchjagd für viele erst zum richtigen Jagderlebnis“, berichtet Jonas Paulsson vom Jadverband Skane im Süden Schwedens.

Lagerfeuer im TV

In diesen Wochen begeben sich über das ganze Land verteilt bis zu 300.000 Schweden in die Wälder, um Elche zu schießen.

Man kann also, ohne zu übertreiben, sagen, dass den Schweden die Elchjagd im Blut liegt. Was aber, wenn sie zu alt werden, um dem Volkssport nachzugehen? Eine Antwort auf diese Frage hat jetzt die schwedische Gemeinde Rättvik gefunden. Zusammen mit Jagdausbildern hat sie eine Art Computersimulation im örtlichen Seniorenheim eingeführt, bei dem sich die Tiere ganz bequem vom Sofa aus erlegen lassen. Die Initiatorin Sara Hansson erklärt, wie das Spiel konkret abläuft:

„Mit der Simulation können die Senioren auf Elchjagd gehen. Dazu bieten wir dann Kaffee und gegrillte Würstchen an, und auf einem Fernseher flackert ein digitales Lagerfeuer. Unsere Bewohner können zwar nicht mehr selbst in den Wald gehen und an der Elchjagd teilnehmen, aber dafür können wir die Elchjagd ins Altersheim bringen. Dafür ist das Spiel perfekt.“

„Ein gutes Training“

Auf dem Bildschirm erscheint beim Spielen ein Gewehrlauf. Und Elche natürlich. Wer dann abdrückt, erhält eine Art Quittung über seinen Schuss. Auch die Bewohnerin Gudrun Sens macht mit:

„Als ich jung war, gingen wir Frauen noch nicht mit auf die Jagd, das war tabu. Jetzt kann ich auch auf Elchjagd gehen.“

Die digitale Elchjagd erfreut sich in dem Seniorenheim von Rättvik großer Beliebtheit. Laut Jagdausbilder Leif Risander liegt das daran, dass die Simulation sehr authentisch ist.

„Solche Schießsimulatoren verwenden wir unter anderem beim Jägerexamen und in der Ausbildung. Jagdvereine können sie ausleihen als Ergänzung zum richtigen Schießen. Sie sind umweltfreundlich, verbreiten kein Blei und es knallt nicht. Ein gutes Training.“

Kulturelle Identität, Reaktionstraining, Fingerfertigkeit

Training in vielfacher Hinsicht: Die Initiatoren im Altenheim in Rättvik glauben fest daran, dass das Spiel die kulturelle Identität der Senioren stärkt, ihre Erinnerungen wach hält und nebenbei Fingerfertigkeit, Geschick und Reaktionsvermögen trainiert.

Während der Hype um die digitale Elchjagd langsam Fahrt aufnimmt, hat der nationale Jagdverband übrigens jüngst auf die Bremse getreten. Der Bestand der Tiere sei nach den neuesten Zahlen dramatisch gesunken, heißt es. Perspektivisch müsse über Maßnahmen zum Schutz der Tiere nachgedacht werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Oktober 2019 um 15:08 Uhr.

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