Manager von Illycaffè: „Beeindruckend, wie gut hier alles funktioniert“

Manager von Illycaffè: „Beeindruckend, wie gut hier alles funktioniert“

Nur beim Kaffee, sagt Giuseppe Taccari, Manager von Illycaffè aus Triest, können die Münchner noch etwas dazulernen.

Giuseppe Taccari betritt die Bar Centrale im Herzen Münchens, und sofort sind alle drei Baristas im Gespräch mit ihm: Wann bist du vom Urlaub zurückgekommen? Was macht die Familie? Auch wenn Taccari, 55, mit München noch nicht so vertraut ist: Hier, im italienischsten aller Cafés in der Landeshauptstadt, kennt man ihn natürlich schon. Der Deutschlandmanager von Illycaffè, der Traditionsmarke aus Triest, ist mit dem Motorrad gekommen. Er bestellt einen doppelten Espresso und einen Toast und ist gespannt auf die Fragen.

SZ: Signor Taccari, was hat München, was Ihre Heimatstadt Triest nicht hat?

Giuseppe Taccari: Was mir gleich auffiel: wie international München ist. Man findet hier Restaurants aus aller Welt, auf höchstem Niveau. Man hört alle Sprachen. Und dann natürlich: wie gut hier alles funktioniert. Der Wohlstand ist unübersehbar. In Italien ist der BMW ein Luxusauto, hier scheint er ein Massenfahrzeug zu sein.

Was war Ihr erstes prägendes Erlebnis in München?

Ich bin im Frühling gekommen, an einem warmen, sonnigen Tag. Die Luft war klar, fast wie in den Bergen, die Leute saßen in den Straßencafés, und ich dachte: München ist eine der wichtigsten und wirtschaftlich stärksten Städte Europas, aber man merkt das kaum, denn es ist fast immer noch so gemütlich wie eine Kleinstadt.

Wen wollen Sie in München unbedingt kennenlernen?

Ich will die Münchner kennenlernen. Ich möchte die Museen besuchen, das Filmfest, und als großer Fußball-Fan hoffe ich, bald einmal an Karten für die Allianz-Arena zu kommen. Ich mache viel Sport, bin früher Marathon gelaufen und trainiere immer noch jeden zweiten Tag, oder ich schwinge mich aufs Mountainbike. Wenn man sich auf die Stadt einlässt, wird man bestimmt bald Freunde finden.

Welches Vorurteil würden Sie gerne widerlegt sehen?

Es heißt, die Münchner seien so schick und statusbewusst. Aber in Sachen Mode, da können sie halt doch nicht ganz mit den Italienern mithalten. Übrigens: Dieses Jahr werde ich mein erstes Oktoberfest erleben. Meine Mitarbeiter sagten mir, ich müsse unbedingt ein richtiges Outfit tragen, Lederhose, Hemd, Schuhe, Strümpfe – das sei ein Zeichen des Respekts vor den Münchnern. Stimmt das?

Kommen & Gehen

Mit jedem Menschen, der zuzieht, verändert sich die Stadt. Und auch mit jedem Menschen, der München verlässt, verliert die Stadt ein Stück Identität. Wir stellen sie vor.

Na ja, eigentlich finden die Einheimischen es eher komisch, wenn sich „Zuagroaste“ mit ihrer Tracht kleiden …

Ach so, na ja, ich werde es trotzdem versuchen (lacht).

Wenn Sie an München denken, welche drei Begriffe fallen Ihnen auf Anhieb ein?

Schönheit, Spaß, Effizienz. Man ist zum Beispiel mit der U-Bahn ruckzuck in der Allianz-Arena, das ist schön.

Welche Spuren möchten Sie in München hinterlassen?

Erst einmal möchte ich noch besser Deutsch lernen. Das ist gar nicht so einfach, weil hier fast jeder Englisch spricht und so viele Italiener in der Stadt leben. Und dann möchte ich natürlich dazu beitragen, die Kaffeekultur zu bereichern. Die Deutschen gehören zu den größten Kaffeekonsumenten der Welt, aber bei der Zubereitung von Espresso können Sie noch was lernen.

Worauf kommt es dabei an?

Auf die vier Ms: miscela, macinino, macchina, mano (die Mischung, die Kaffeemühle, die Maschine, die Hand, Anmerkung der Redaktion). Zu Hause bereiten viele Italiener immer noch ihren Kaffee mit der klassischen Caffettiera zu, die man auf den Herd stellt, so wie es schon die Großeltern taten. Da ist das richtige Händchen wichtig.

Signor Taccari, wären Sie eigentlich gerne zu einer anderen Zeit nach München gekommen?

Eigentlich nicht. Im Moment, da die politische Situation in meinem Land so chaotisch ist, bin ich sehr froh, das mehr aus der Ferne zu betrachten. Wer weiß, vielleicht entscheiden wir uns sogar, ganz in München zu bleiben, wenn das in Italien so weitergeht. Wir brauchen doch ein einiges Europa! Neulich besuchte ich das Kloster Andechs und habe gelernt, dass die Mönche dort schon seit dem späten Mittelalter Bier gebraut haben. Ich bin zwar kein großer Biertrinker, aber das wäre vielleicht spannend, sich mit einer Zeitmaschine dorthin zurückversetzen zu lassen.

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