Landsberg am Lech: Die Geheimnisse des Dampfbügeleisens

Landsberg am Lech: Die Geheimnisse des Dampfbügeleisens

Landsberg am Lech:Die Geheimnisse des Dampfbügeleisens

Am Institut für Haushaltstechnik können sich Interessierte über Küchengeräte informieren. Denn es gibt allerlei Tücken

Von Florian Fuchs, Landsberg am Lech

Die Besucher lernen, welche Modelle – ob neu oder alt – wirklich für sie brauchbar sind.

(Foto: Agrarbildungszentrum)

Es geht im Seminar gerade um Spülmaschinen. Die Expertin, Inge Bronner, steht vor einem topmodernen Gerät, in dem die Körbe auf Schienen laufen, und nicht wie üblich auf Rollen. „Das ist einfacher rauszuziehen“, sagt sie. Aber weil nicht jeder das neueste Modell zur Verfügung hat, ganz im Gegenteil, drehen sich die Fragen der Seminarteilnehmer auch um ältere Geräte. Solche, in denen etwa das Besteck Rostflecken bekommt. „Da gibt es einen kleinen Trick“, sagt Bronner: „Alufolie.“ Liegt Folie im Geschirrspüler, zieht sie den Rost an – das Besteck bleibt sauber. „Da kann man auch Sahnedeckel nehmen, nur nicht Joghurtdeckel, die sind meistens beschichtet.“

Es ist ein Dienstagvormittag, die Geschirrspülkunde dauert von 9.15 Uhr bis 10.15 Uhr. Danach sind Küchenmaschinen an der Reihe in der Abteilung Haushaltstechnik und Textil des Agrarbildungszentrums, das der Bezirk Oberbayern in Landsberg am Lech unterhält. Hauptsächlich bilden sie dort Hauswirtschafterinnen fort, die sich über die neueste Entwicklung der Haushaltstechnik informieren wollen. Es ist eine einzigartige Einrichtung, die es so in Deutschland und Österreich kein zweites Mal gibt. Seminarteilnehmer reisen deshalb auch von weit her an. Und was kaum einer weiß: Sogar Privatleute finden dort Expertenrat, völlig unabhängig und an keinen Hersteller gebunden. Gruppen können Seminare buchen zu speziellen Themen. Es gibt aber auch Informationstage, erst kürzlich wieder einen über Waschmaschinen, Trockner und Bügelgeräte. Da braucht es keine Anmeldung, genauso wie für die allgemeinen Beratungstage, die zweimal im Jahr stattfinden. So ein Beratungstag ist praktisch, denn egal ob es eine neue Küche oder nur ein neuer Staubsauger sein soll: „Im Geschäft schwatzen sie einem schon manchmal unnötige Dinge auf“, sagt Abteilungsleiterin Angela Fischer.

Bei den Experten für Haushaltstechnik des Agrarbildungszentrums lernen Profis und Laien, wie Staubsauger, Bodenwischgeräte, Bügelmaschinen oder auch Küchengeräte richtig benutzt werden.

(Foto: Agrarbildungszentrum)

Im Jahr 2017 hat die Abteilung 60-jähriges Bestehen gefeiert. „In Bayern“, sagt Fischer, „hat man die Hauswirtschaft schon immer höher gehängt als anderswo.“ Die Expertinnen des Hauses sind nach Spezialgebieten aufgeteilt. Fischer etwa ist für Kühl- und Gefriergeräte zuständig, Kolleginnen betreuen die Themen Küchengeräte oder auch Geschirrspülmaschinen und Kaffeemaschinen – alles, was es an Technik im Haushalt eben so gibt. Hauswirtschaftsoberrätin Gabi Glaser führt durch die Anlage: Es gibt dort mehrere Räume, in einem stehen Einbaubacköfen und Mikrowellen, in einem anderen Küchengeräte, Staubsauger, Bügelgeräte oder Nähmaschinen. Überall sind die neuesten Geräte vorhanden, alle sechs bis neun Monate kommen wieder modernere Modelle. „Wir müssen auf dem neuesten Stand bleiben“, sagt Glaser. Und deshalb findet man wohl an keinem Flecken in Bayern so viel geballtes Fachwissen von Expertinnen, die genau sagen können, welches Gerät nun zum Kauf empfohlen ist – und von welchem man eher die Finger lassen sollte.

Im Agrarbildungszentrum werden hauptsächlich Hauswirtschafterinnen fortgebildet, die sich über die neueste Entwicklung der Haushaltstechnik informieren wollen.

(Foto: Agrarbildungszentrum)

Sie erinnere sich an eine Frau, sagt Fischer, die ein Dampfgargerät gekauft hat und gar nicht wusste, was sie damit anfangen soll. Andere wiederum kaufen sich Heißluft-Fritteusen, was Quatsch ist, da kann man die Pommes gleich im Ofen backen. Das Fett ist ja der Geschmacksträger.

Fischer hat deshalb schon ein paar Tipps, wie man den Kauf eines Haushaltsgeräts richtig angeht. Ganz wichtig: „Wer sich Zeit nimmt und Vergleiche anstellt, spart am Ende Geld.“ Langzeiterfahrungen seien am wichtigsten, Käufer sollen deshalb mit Bekannten reden, Tests anschauen und Fachleute fragen. Und vor allem in verschiedene Geschäfte gehen. „Wenn alle dasselbe raten, ist das ein gutes Zeichen“, sagt Glaser.

Ins Internet schaut Abteilungsleiterin Fischer schon auch, für erste Informationen. Ohne ein Gerät wirklich berührt zu haben, würde sie allerdings nie kaufen. Das Dampfbügeleisen kann noch so gute Bewertungen haben: „Es liegt halt bei jedem anders in der Hand. Vielleicht ist es für mich ja nicht bequem?“, sagt sie. Einmal, vor dem Kauf einer Geschirrspülmaschine, hat Fischer ihre Gläser zu Hause eingepackt und ist damit ins Fachgeschäft gefahren. „Die Verkäuferin hat pikiert geschaut.“ Aber das war Fischer egal. Am Ende war sie froh, den Aufwand betrieben zu haben. Es stellte sich heraus, was sie zuvor befürchtet hatte: Ihre speziellen Gläser passten nicht in den Geschirrspüler.

Die Seminarteilnehmer reisen sogar von weit her an.

(Foto: Agrarbildungszentrum)

„Es gibt kein Gerät, das für alle geeignet ist“, sagt Fischer. Jeder hat einen anderen Haushalt, andere Gewohnheiten und ein anderes Budget. Und deshalb ist es wichtig, gut beraten zu werden. „Der Verkäufer sollte schon auf seinen Kunden eingehen“, sagt Anette Kreiselmeyer, die Küchenexpertin. Einen guten Verkäufer erkenne man, wenn er erst einmal Informationen einhole: Wie viel Familienmitglieder gibt es, wie oft wird gekocht? Kreiselmeyer würde schon ein Induktionskochfeld empfehlen beim Kauf einer neuen Küche. Aber wenn im Haushalt nur alte Töpfe stehen, die gar nicht induktionsfähig sind, dann sollte sich der Käufer nichts aufschwatzen lassen. Auch so etwas hat sie schon erlebt. Kreiselmeyer kann wie auch ihre Kolleginnen sehr nützlich Orientierung geben: Ein gutes Induktionskochfeld koste so 800 bis 1000 Euro, sagt Kreiselmeyer. Kombigeräte seien im Trend, etwa der Ofen mit Dampfgarer oder Mikrowelle.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Energieverbrauch. „Viele greifen zu den billigeren Geräten mit höherem Stromverbrauch, um sich ein wenig Geld zu sparen“, warnt Kühlschrankexpertin Glaser. Dabei sind gerade bei Kühlschränken, die stetig am Strom angeschlossen sind, teurere Geräte langfristig billiger. Dazu muss man nur den Anschaffungspreis mit dem jährlicher Stromverbrauch und dem Strompreis verrechnen. „Aber das ist vielen zu kompliziert“, sagt Glaser. Wie es laut Kreiselmeyer auch vielen zu kompliziert ist, in eine Bedienungsanleitung zu schauen. „Dabei können die ganz interessant sein“, sagt sie und lacht. „Die meisten Leute nutzen ihre Geräte überhaupt nicht richtig.“

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