Kommentar zu Lebensmittelpreisen: Schnitzel mit gutem Gewissen

Kommentar zu Lebensmittelpreisen: Schnitzel mit gutem Gewissen

Das Nackensteak, das uns glücklich macht, stammt von einem Schwein, das sich ein Leben lang unter einer Eiche in nitratfreiem Schlamm suhlen durfte. Der Bauer massiert es regelmäßig nach japanischem Vorbild, ein Metzger bringt es sanft zu Tode. Gebraten wird das Fleisch auf einem mit Solarstrom betriebenen Elektrogrill.

Perfekt wäre dieses Glück freilich erst, wenn das Nackenstück nicht mehr als einen Cappuccino kosten würde – das Kilo. Und da ist er dann aus, der Traum vom Bilderbuchleben als tier- und naturfreundlicher Billiggourmet. Denn nicht einmal die deutschen Bauern, die schon manche Erzeugerschlacht gewannen, schaffen es, Fleisch wie zu Zeiten der alten Germanen zu produzieren, wenn sie dafür nur Schleuderpreise bekommen.

Auch die Billigware im Supermarkt hat ihren Preis, den freilich nicht der Käufer entrichtet, jedenfalls nicht unmittelbar. Bezahlt haben ihn schon die Tiere, die nicht artgerecht gehalten wurden, die Umwelt, die unter der Massenproduktion litt, und die Bauern, die ihre Höfe aufgeben mussten, weil sie trotz allen Fleißes dem Preisdruck nicht standhalten konnten.

Planwirtschaft gibt es schon genug

Das Festsetzen von Mindestpreisen wäre jedoch in der Tat der falsche Weg, um den verbliebenen Bauern in ihrem Überlebenskampf zu helfen. Was Planwirtschaft anrichten kann, hat auch die Agrarpolitik der EU/EG schon ausreichend bewiesen.

Nun soll eine Richtlinie gegen unsaubere Handelspraktiken die Marktmacht der Discounter einhegen. Es gibt jemanden, der das noch besser kann: der Konsument. Erst wenn er im Laden klar macht, dass ihm Qualität auf dem Teller und im Stall wichtiger ist als der Preis, wird sich das Angebot an der Fleischtheke ändern – und damit auch das Einkaufsverhalten der Supermarktketten, Schlachthöfe und Viehhändler.

Wer dann an der Kasse immer noch schluckt, weil er für ein Nackensteak mehr als für einen Kaffee zahlen muss, sollte bedenken, dass er damit auch noch einen Obolus zur Erhaltung der Versorgungssicherheit und der Kulturlandschaft entrichtet. Gerade uns Deutschen müsste ein reinen Gewissens verzehrtes Schnitzel doch besonders gut schmecken.

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