Kolumne „In kleinen Schritten die Welt retten“ – Coffee-to-go: Ich wollte die Umwelt schützen und brachte meine Gesundheit in Gefahr

Kolumne „In kleinen Schritten die Welt retten“ – Coffee-to-go: Ich wollte die Umwelt schützen und brachte meine Gesundheit in Gefahr

Kolumne „In kleinen Schritten die Welt retten“: Coffee-to-go: Ich wollte die Umwelt schützen und brachte meine Gesundheit in Gefahr

Donnerstag, 23.01.2020, 06:12

Ich liebe Kaffee und möchte auch unterwegs nicht auf das köstliche Heißgetränk verzichten. Dass herkömmliche Einweg-to-go-Becher nicht gut für unsere Umwelt sind, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Und dennoch hat sich die Menge aller Unterwegs-Becher für heiße und kalte Getränke seit der Jahrtausendwende verdreifacht: 110.000 Tonnen Abfall fielen in Deutschland für to-go-Getränkeverpackungen an. Damit hat der Becher die Plastiktüte als Abfallverursacher im Alltag überholt.

In Deutschland nutzt und entsorgt statistisch gesehen jeder Verbraucher 130 Einwegbecher für Limo, Bier, Kaffee oder Tee pro Jahr. Bei Heißgetränken – also Kaffee, Tee, Kakao – macht der Verbrauch rund 60 Becher pro Kopf und Jahr aus. Durchschnittlich wird ein Becher nur 15 Minuten genutzt, bevor er in den Müll wandert.

Dazu kommt, dass bereits die zur Herstellung verwendeten Ressourcen viel besser genutzt werden könnten. Die meisten Einwegbecher für Heißgetränke bestehen aus Pappe mit einer Kunststoffbeschichtung. Für die Produktion wird viel Holz, Wasser und Energie benötigt. Auf ein Jahr betrachtet würde diese Energie für die Versorgung einer ganzen Kleinstadt ausreichen,  so die Deutsche Umwelthilfe.

Da möchte ich nicht mitmachen – und trage deshalb seit meinem letzten Geburtstag das Geschenk einer Freundin mit mir herum: ein stylischer Coffee-to-go-Becher aus Bambus.

Welche Alternativen gibt es?

Die Bambus-Becher werden gern als ökologisch bessere Alternative verkauft. Sie sehen chic aus und wiegen nicht viel – passen also gut in die Handtasche. Was nicht ganz unwichtig ist, denn ich habe meinen eigenen to-go-Becher ja immer dabei. 

Doch war mir nicht klar: Er könnte meiner Gesundheit schaden. Stiftung Warentest hat die Bambusbecher 2019 unter die Lupe genommen und gelangte zu einem verheerenden Ergebnis:Im Test von zwölf Bambusbechern wurden sieben mit „mangelhaft“ bewertet, weil sie unzulässige Mengen an Schadstoffen abgaben, wenn sie mit heißen Flüssigkeiten gefüllt waren. „Sie stellen eine hohe Sicherheitsgefahr dar und dürften gar nicht erst in den Verkauf gelangen“, so die Prüfer.

Damit steht für mich fest: Ich werde mein Geburtstagsgeschenk – den to-go-Becher aus Bambus – aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für Kaffee benutzen. Wegwerfen werde ich ihn aber auch nicht, denn für kalte Getränke ist er ja durchaus geeignet. Aber womit transportiere ich jetzt meinen Kaffee? 

Die Kolumne „In kleinen Schritten die Welt retten“

Das Klima auf der Erde wandelt sich. Unser Umgang mit dem Planeten und seinen Ressourcen hat dazu beigetragen. Wenn wir die Erde noch retten wollen, müssen wir umdenken – im Großen, wie auch im Kleinen.

Deshalb nehmen wir uns in dieser Kolumne jede Woche einem Konsumthema an und fragen uns: Geht das auch nachhaltiger? Wir möchten dadurch unser eigenes Verhalten reflektieren und so vielleicht auch Ihnen den ein oder anderen Impuls mitgeben.

Alle Folgen unserer Kolumne finden Sie hier.

Machen Sie auch Erfahrungen im Alltag zum Thema Nachhaltigkeit, wozu Sie vielleicht noch nicht die richtigen Antworten oder Ratschläge gefunden haben? Dann schreiben Sie uns gerne an konstruktiv@burda-forward.de. Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

Sind Thermobecher besser?

Auf der Suche nach möglichen Alternativen bin ich auf die alt bekannten Thermobecher gestoßen. Ökotest hat 2016 zahlreiche Thermobecher untersucht. Die Prüfer legten dabei mehr Gewicht auf die versprochene Isolation der Becher – berücksichtigten aber auch die Schadstoffanteile durch Kunststoff.

Sechs Coffee-to-go-Becher meisterten das Prüfprogramm für das Testkriterium Isolation mit „gut“. Untersucht wurde hier, ob die Becher den Kaffee richtig schön warmhalten und ob man sich beim Halten der Tasse die Finger verbrennt.

In den Kunststoffteilen von zwei Bechern fanden die Tester Anteile an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Ansonsten fielen die Prüfungsergebnisse sehr gut aus: die Becher enthielten keine Weichmacher und in den Kunststoffelementen steckten keine bedenklichen Schwermetalle.

Coffee-to-go-Becher aus Edelstahl [Anzeige]

Becher aus Edelstahl, Glas und Porzellan

Am besten eignen sich Behälter aus Edelstahl, Glas und Porzellan. Sie sind für den Kontakt mit Heißgetränken geeignet, ebenso wie Behälter aus schadstoffarmen Kunststoffen. Auch wenn Porzellanbecher für unterwegs nicht ganz so praktisch sind, punkten sie aufgrund ihrer Geschmacksbeständigkeit. Wichtig ist, dass die Hersteller die Art der verwendeten Materialien angeben. Es spricht nichts gegen Mehrweg-Becher aus Polypropylen (PP). Achten Sie auf Angaben zur Hitzebeständigkeit.

Coffee-to-go-Becher aus Porzellan, Glas und Edelstahl [Anzeige]

Was bringt ein Pfandsystem für to-go-Becher?

Für Menschen, die absolut keine Lust haben einen eigenen Becher mit sich herumzutragen, aber trotzdem der Umwelt Müll ersparen möchten, ist ein Pfandsystem eine Lösung.

Die Befürchtung, Pfandbecher seien mit Keimen belastet, ist unbegründet. Eine Untersuchung der Hochschule Rhein-Waal zeigt, dass Mehrwegbecher kaum ein Hygiene-Risiko darstellen: „Es konnte nachgewiesen werden, dass die mögliche Keimbelastung durch mehrfach verwendbare Kaffeebecher im Vergleich zu den möglichen Risiken einer schlecht gepflegten Maschine vernachlässigbar ist.“

Das Spülen der Mehrwegbecher macht die hauptsächliche Umweltbelastung aus. Diese Belastung ist in der Gastronomie und bei anderen Pfandmodellen aber ganz normal und Abhilfe ist leicht: Die Maschinen immer vollständig befüllen und Sparprogramme nutzen.

Große Städte zeigen, wie es geht

In den deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln und München setzt sich das deutschlandweite Pfandsystem der Firma RECUP immer mehr durch. Für einen Euro kann ich den Becher mitnehmen und bei allen teilnehmenden Geschäften, Kaffees oder Bäckereien wieder abgeben. Eine App hilft dabei, die Läden in der Nähe zu finden.

Dass es auch ganz einfach geht, hat eine Café-Besitzerin aus Bielefeld unter Beweis gestellt. Sie hat ihr ganz eigenes Pfandsystem entwickelt und kurzerhand Marmeladengläser zu to-go-Bechern umfunktioniert. „Ich war permanent auf der Suche nach Alternativen zum Papp- oder Plastikbecher und habe mir immer wieder verschiedene Einmachgläser angeguckt. Jetzt ist es so eine Mischung aus Weck- und Marmeladenglas geworden.“

Mein persönliches Fazit

Ich selbst werde versuchen, meinen Kaffee wieder häufiger aus Porzellantassen zu trinken ­und zwar im Sitzen. Ich habe in Wien studiert und während dieser Jahre viel Zeit in Kaffeehäusern verbracht. Es hat Spaß gemacht, alleine oder in Gesellschaft, meine Melange zu trinken. Damals wäre ich im Leben nicht auf die Idee gekommen, mir den Kaffee irgendwohin mitzunehmen.

Im Video: 60 Prozent der Kleidung ist Plastik – nachhaltige Alternativen haben viele Vorteile

jke/

Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.