Kaffee setzt Triebwerke von Airbus-Jet außer Gefecht

Kaffee setzt Triebwerke von Airbus-Jet außer Gefecht

Wirtschaft Getränke im Cockpit

Kaffee setzt Triebwerke von Airbus-Jet außer Gefecht

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Im Cockpit kann ein verschütteter heißer Kaffee zur großen Gefahr werden Im Cockpit kann ein verschütteter heißer Kaffee zur großen Gefahr werden

Im Cockpit kann ein verschütteter heißer Kaffee zur großen Gefahr werden

Quelle: Getty Images/James Lauritz

Auch Piloten möchten Kaffee bei der Arbeit trinken. Im Cockpit gibt es zwar Becherhalter, aber offenbar werden sie nicht immer benutzt. Das ist gefährlich und kann die Besatzung sogar zur Notlandung zwingen, wie zwei Beispiele zeigen.

Modernen Mobiltelefonen können Flüssigkeiten nichts mehr anhaben, im Flugzeug-Cockpit können sie allerdings zu sehr gefährlichen Situationen führen. Beim modernen Airbus-Großraumflugzeug A350 haben sich inzwischen bereits zwei Vorfälle ereignet, bei denen verschüttete Getränke über zentralen Konsolen zum Abschalten eines der beiden Triebwerke führten.

So war am 21. Januar eine A350-900 von Delta Airlines auf dem Weg von Detroit nach Seoul mit 189 Menschen an Bord, als es in gut elf Kilometer Höhe zu einem Zwischenfall kam: Ein Triebwerk schaltete sich ab. Den Piloten gelang es nicht, die Rolls-Royce-Turbine erneut zu starten. Sie entschieden daher, außerplanmäßig in Fairbanks in Alaska zu landen. Ein ähnlicher Vorfall mit einem Airbus A350 ereignete sich im November.

Über verschüttete Getränke im Cockpit als Ursache für die Zwischenfälle wurde zunächst in Fachblogs spekuliert. Nun hat der Branchendienst Flightglobal die Vermutung bestätigt.

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Wie es heißt, wurde etwa 15 Minuten vor dem Abschalten der Triebwerke ein Getränk auf der mittleren Konsole mit dem zentralen Bedienfeld für die Triebwerke zwischen den beiden Pilotensitzen verschüttet. Die Auswertung des Flugdatenschreibers habe ergeben, dass die Elektronik das rechte Triebwerk abschaltete.

Bei dem Zwischenfall am 9. November bei einem Flug von Asiana Airlines von Seoul nach Singapur habe ein Rolls-Royce-Triebwerk etwa eine Stunde nach dem Verschütten von Tee auf der Steuerkonsole den Betrieb eingestellt.

Airbus will die Zwischenfälle nicht kommentieren. „Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit den Airlines über den Betrieb der Flugzeuge“, lässt das Unternehmen lediglich wissen.

Kurzschluss und Rauch im Cockpit

Der Fachdienst Flightglobal meldet jedoch, dass es angeblich eine neue Anweisung von Airbus geben soll: Piloten sollen im Cockpit in Richtung Seitenfenster trinken und ihre Becher nicht auf der mittleren Steuerkonsole abstellen. Der Airbus A350 verfüge an der Seite über drei Becher- oder Flaschenhalter. In Internetforen wird allerdings diskutiert, ob sie bequem zu erreichen und ausreichend groß sind.

Zwischenfälle durch verschüttete Getränke im Cockpit sind keine Seltenheit. Die ausgelaufenen Flüssigkeiten stellen auch nicht nur Triebwerke ab. Aufsichtsbehörden untersuchten etwa einen Vorfall vom Februar 2019: Damals musste ein Airbus A330 der britischen Thomas Cook im Auftrag für Condor den Flug von Frankfurt nach Mexiko abbrechen, weil im Cockpit verschütteter Kaffee zur Unterbrechung der Funkverbindung führte.

Die Flüssigkeit sorgte für einen Kurzschluss und Rauch im Cockpit. Im Untersuchungsbericht heißt es, dass Airbus zwar die Verwendung des Getränkehalters empfiehlt. Die Bechergröße auf der Strecke erschwere aber den Gebrauch der Getränkehalter. Daher seien die Becherhalter meist nicht verwendet worden.

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(FILES) In this file photo taken on March 28, 2019 Southwest Airlines Boeing 737 MAX aircraft are parked on the tarmac after being grounded, at the Southern California Logistics Airport in Victorville, California. - Boeing reported its first annual loss in more than two decades on January 29, 2020 as the lengthy grounding of the 737 MAX undercut the company's revenues and exploded costs. The aerospace giant reported a $1.0 billion loss in the fourth-quarter and a loss of $636 million for all of 2019, the company's first year in the red since 1997. (Photo by Mark RALSTON / AFP)

Die Aufsichtsbehörde gibt den simplen Ratschlag, die Becher zumindest mit Deckeln zu verschließen. Damit sei die Gefahr schon etwas gebannt.

Die Getränkegefahr im Cockpit gibt es nicht nur bei Airbus, sondern auch bei Boeing. 2007 flog eine Boeing 737 von Air New Zealand eine Route in Neuseeland, als es im Cockpit durch einen Kurzschluss zu einem Kabelbrand kam.

Wie es im Untersuchungsbericht hieß, wurde der Brand durch verschütteten Kaffee von einer anderen Besatzung ausgelöst, die vier Stunden zuvor das Flugzeug genutzt hatte. Als der Kaffee trocknete, sorgte der Zucker für eine ausreichende Leitfähigkeit und löste einen Kurzschluss aus.

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