Kaffee für Nespresso und Starbucks? Film über angebliche Kinderarbeit auf Plantagen in Guatemala schlägt Wellen

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Schon wieder geht ein Schweizer Fensterbauer konkurs – 220 Personen betroffen

Die Fensterbauer bekommen den scharfen Preisdruck zu spüren: Ruchti-Aerni-Filiale in Arisdorf.

Die Fensterbauer bekommen den scharfen Preisdruck zu spüren: Ruchti-Aerni-Filiale in Arisdorf.

PD

(sda) In der Schweiz schliesst schon wieder ein grosses Fensterbauunternehmen. Nachdem vor ein paar Tagen über die Swisswindows mit Sitz in Mörschwil SG der Konkurs eröffnet worden ist, hat nun die Ruchti Aerni AG mit Hauptsitz in Gwatt bei Thun den Konkurs angemeldet.

Wie die Firma am Dienstag mitteilte, beschäftigte sie bisher rund 220 Angestellte in Thun, Arisdorf BL, Oberriet SG und in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje.

Als Grund für die Schliessung des Betriebs gibt Ruchti Aerni an, im Fensterbau seien die professionellen Bauträger immer weniger bereit, Dienstleistungen angemessen zu bezahlen. Deshalb sei der Geschäftsbereich Kunststofffenster stark defizitär. Ruchti Aerni bestätigte mit diesen Aussagen eine Meldung des «Thuner Tagblatts».

Geschäftsleitungsmitglied Kristina Wessely sagte auf Anfrage, am Hauptsitz in Thun-Gwatt arbeiteten 65 Angestellte, in Arisdorf 41 und in Oberriet 17. In Nordmazedonien sind es etwas über 80.

Allen Angestellten sei der Lohn ausbezahlt worden. Für die sechs Lernenden stehe eine Anschlusslösung in Aussicht. Andere Fenster- und Metallbauunternehmen hätten Interesse an der Übernahme von Angestellten angemeldet.



«Ruinöser Preiskampf»

Firmenchef und Inhaber Daniel Ruchti geht laut der Mitteilung davon aus, dass sich Fensterbau in Europa künftig auf grosse, europäisch agierende Produzenten beschränkt. Lokal ansässige Fensterbauer dürften immer mehr Schwierigkeiten bekommen, die Kosten zu decken. Bis zuletzt habe er gehofft, einen Investor zu finden.

Wegen der Verschuldung des Unternehmens habe Ruchti Aerni die Defizite in der Fensterbausparte nicht mit den Gewinnen in der Metallbausparte ausgleichen können.

Auch die Gewerkschaft Unia schrieb vor ein paar Tagen, nach dem Konkurs der Swisswindows, in der Branche tobe ein «ruinöser Preiskampf.» Die öffentlichen Arbeitgeber stünden in den Pflicht, ausser auf Preise auch auf seriöse Angebote zu achten.

Die Swisswindows AG mit Hauptsitz Mörschwil SG und Standorten in Müllheim TG und Härkingen SO beschäftigte rund 170 Angestellte.



Oerlikon mit leichtem Umsatzrückgang

Oerlikon hat an Umsatz eingebüsst.

Oerlikon hat an Umsatz eingebüsst.

Eddy Risch / Keystone

(awp/sda) Der Industriekonzern Oerlikon hat im Jahr 2019 bei Auftragseingang und Umsatz Einbussen verzeichnet. Der Betriebsgewinn war rückläufig und unter dem Strich resultierte nach einer Reklassifizierung des Drive Systems-Verkaufs ein Verlust. Die Aktionäre profitieren erneut von einer Sonderdividende.

Der Umsatz sank im abgelaufenen Geschäftsjahr beeinflusst durch Wechselkurseffekte um 0,6% auf 2,59 Mrd. Fr., wie Oerlikon am Dienstag mitteilte. Organisch resultierte jedoch ein leichter Zuwachs um 1,1%. Der Auftragseingang ging derweil aufgrund der Schwäche in wichtigen Märkten um 5,2% auf ebenfalls 2,59 Mrd. zurück.

Auf Stufe Ebitda erreichte Oerlikon einen Gewinn von 366 Mio. Fr. nach 406 Mio. im Vorjahr. Das ist ein Minus von 9,9%. Die entsprechende Marge betrug 14,1 nach zuvor 15,6%. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von 66 Mio., nach einem Gewinn von 245 Mio. im Vorjahr. Darin enthalten ist die Reklassifizierung von -284 Mio. in Zusammenhang mit dem Verkauf des Segments Drive Systems, wie das Unternehmen weiter schreibt.

Den Aktionären wird die Ausschüttung einer unveränderten Dividende von 1,00 Fr. je Aktie vorgeschlagen. Wie im Vorjahr ist darin eine Sonderdividende von 0,65 Fr. pro Aktie enthalten.

Die ausgewiesenen Zahlen haben die Prognosen der Experten verfehlt. Die befragten Analysten hatten gemessen am AWP-Konsens einen Auftragseingang von 2,62 Mrd. Fr., einem Umsatz von 2,60 Mrd. und einen Ebitda von 397 Mio. erwartet. Bei der Dividende wurde im Schnitt mit einem Wert von 0,35 Fr. gerechnet.

In allen Märkten sei die Nachfrage deutlich rückläufig gewesen. Die Wirtschaftsaktivität habe sich 2019 verlangsamt, besonders in der verarbeitenden Industrie. In China und Europa wurde ein Umsatzplus verbucht, was hauptsächlich dem Chemiefasergeschäft zu danken war, wie es weiter hiess.

Mit Blick auf das laufende Jahr erwartet der Konzern eine flache bis leicht negative Entwicklung. Für 2020 wird ein Bestellungseingang und ein Umsatz von 2,5 bis 2,6 Mrd. Fr. und eine Ebitda-Marge nach Investitionen und Wachstumsinitiativen von 14,0 bis 14,5% in Aussicht gestellt. Für die zweite Phase des Produktivitätsprogramms werden zusätzliche Ausgaben von 25 bis 35 Mio. Fr. über die nächsten 18 Monate erwartet.

OC Oerlikon in Zahlen *

Geldwerte in Mio. Fr. (IFRS)

2018 2019 +/– %
Umsatz 2’609 2’593 –1
Betriebsergebnis Ebit 243 164 –33
Ebit-Marge (%) 9.3 6.3
Konzernergebnis 173 110 –36
Cashflow aus
Geschäftstätigkeit
498 152 –69
Rendite invest. Kapital
(Roce, %)
12.1 7.0
Eigenkapitalquote (%) 44.0 49.0
Nettoliquidität 398 333 –16
Personalbestand 10707 11134 4



Lindt & Sprüngli schüttet Jubiläumsdividende aus

(awp/sda) Beim Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli hat der Umbau in den USA 2019 auf den operativen Gewinn gedrückt. Die entsprechenden Restrukturierungskosten ausgeklammert hat der Lindorkugeln-Hersteller aber auch im vergangenen Jahr die Profitabilität weiter erhöht. Zum 175-Jahr-Jubiläum 2020 schüttet das Unternehmen eine Sonderdividende aus.

Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um 6,9% auf 593 Mio. Fr.. Ohne Restrukturierungskosten für den Umbau in den USA kletterte er um 6,0% auf 675 Mio. Fr., wie Lindt am Dienstag mitteilte. Das entspricht einer bereinigten Marge von 15,0%, 0,2%punkte mehr als noch im Vorjahr.

Unter dem Strich verdiente Lindt 512 Mio. Fr., 5,1% mehr als im Vorjahr. Hier machte eine Steuerentlastung in der Schweiz aufgrund der Reform die Restrukturierungskosten aus den USA wieder wett. Beide Effekte beliefen sich auf je 59 Mio. Fr..

Am höheren Gewinn haben auch die Aktionäre teil: Ihnen will Lindt den Jahresabschluss mit einer Sonderdividende zum Jubiläum von 175 Fr. pro Partizipationsschein und 1750 Fr. pro Namenaktie versüssen. Das sind 75% mehr als im Vorjahr.

Mit den Zahlen hat der Schokoladekonzern die Erwartungen der Finanzgemeinde mehr oder weniger erfüllt. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Analytiker hatten im Schnitt mit einem Ebit von 602,8 Mio. Fr., einer bereinigten Marge von 15,0%, einem Reingewinn von 515,3 Mio. Fr. sowie einer Dividende je PS von 108,28 Fr. gerechnet.



Umbau in den USA

Den Umsatz hatte Lindt bereits Mitte Januar bekanntgegeben. Dieser stieg um 4,5% auf 4,51 Mrd. Fr.. Aus eigener Kraft und um Währungseffekte bereinigt wuchs der Schokoladenhersteller um 6,1%. Auch in den USA, wo das Geschäft in den letzten Jahren schleppend verlaufen war, ging es wieder deutlich nach oben.

Lindt treibt dort zudem den Umbau weiter voran. So wurden die Verkaufsunterstützungsaktivitäten in Nordamerika an einen Drittanbieter ausgelagert. Auch die Produktion der bisherigen Sorgentochter Russell Stover muss Federn lassen: Ab 2021 wird der Betrieb der ältesten Produktionsstandortes Montrose in Colorado geschlossen und das Volumen auf die Produktionsstandorte in Kansas und Texas verlagert. Auch bestehende Lagerhäuser werden geschlossen.

Für das laufende Jahr zeigt sich das Management um Lindt & Sprüngli-Chef Dieter Weisskopf zuversichtlich: Lindt soll im Einklang mit den mittelfristigen Zielen um 5 bis 7% wachsen und die Marge um 20 bis 40 Basispunkte steigern.



Forbo steigert trotz Umsatzrückgang den Gewinn

(sda/awp) Die Industriegruppe Forbo hat im Geschäftsjahr 2019 in einem schwierigen Marktumfeld eine leichte Einbusse beim Umsatz erlitten. Sie konnte den Gewinn dennoch leicht steigern und erhöht die Dividende. Im laufenden Jahr zeichnet sich erneut eine Umsatzeinbusse ab.

Der Hersteller von Bodenbelägen und Bauklebstoffen sowie Förderbändern hat mit 1,28 Mrd. Fr. 3,4% weniger Umsatz erzielt als im Vorjahr. Der Grossteil des Rückgangs war allerdings auf Währungseffekte zurückzuführen, womit sich organisch noch ein Minus von 0,8% ergab, wie das Unternehmen mit Sitz in Baar am Dienstag mitteilte.

Generell sei eine vermehrte Investitionszurückhaltung zu spüren gewesen, hiess es zum Geschäftsgang. Grössere Projekte seien auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben oder im Umfang reduziert worden. Beide Geschäftsbereiche haben dabei einen Nachfragerückgang verzeichnet, das Bild der einzelnen Märkte und Kundensegmente war laut Forbo aber «sehr heterogen».

Die grössere Division Flooring Systems, also das Geschäft mit Bodenbelägen und Bauklebstoffen, erreichte dabei in Lokalwährungen ein Minus von 1,5% und setzte 870,5 Mio. um. Die Sparte Movement Systems, welche das Geschäft mit Förderbändern und Antriebsriemen umfasst, legte gleichzeitig um die Währungseffekte bereinigt um 0,6% auf 411,7 Mio. Fr. zu.

Insgesamt drückte die Umrechnung in die Konzernwährung Schweizer Fr. den Umsatz um 34 Mio. und auf Stufe operativer Gewinn (Ebit) um 6 Mio. Fr..



Höherer Gewinn und mehr Dividende

Der Ebit legte dennoch um 0,6% auf 176,3 Mio. Fr. zu und die entsprechende Marge um 50 Basispunkte auf 13,7%. Forbo begründet dies mit besseren Einkaufskonditionen und weiteren Massnahmen zur Steigerung der Effizienz. Einen leicht positiven Einfluss hatte zudem die Umstellung der Rechnungslegung auf den Standard IFRS 16.

Der Reingewinn zog um 0,5% auf 138,8 Mio. ebenfalls leicht an. Die Dividende soll wegen des starken Cashflows, der hohen Eigenkapitalquote und des nach einem Aktienrückkauf höheren Gewinns pro Aktie auf 23 Fr. um 2 Fr. angehoben werden. Mit den Zahlen wurden die Erwartungen der Analysten auf allen Ebenen übertroffen.

Für das Geschäftsjahr 2020 erwartet das Unternehmen erneut einen leichten Umsatzrückgang sowie einen «etwas höheren Rückgang» beim Konzerngewinn. Aktuell sei es aber sehr schwierig, Aussagen zur globalen Wirtschaftsentwicklung im Jahr 2020 zu machen, heisst es zum Ausblick. Insgesamt geht Forbo von einem wirtschaftlich schwierigen Jahr aus.

Logitech passt wegen Corona Ebit-Prognose nach unten an

(awp/sda) Logitech hat im Vorfeld eines Investorentags die Jahresziele 2019/20 (per Ende März) leicht angepasst. Der Hersteller von Computerzubehör und Unterhaltungselektronik geht zwar nach wie vor davon aus, ein Umsatzwachstum (in Lokalwährungen) im mittleren bis hohen einstelligem Prozentbereich zu erreichen. Allerdings wurde die Ebit-Prognose (Non-GAAP) um 10 Mio. US-$ nach unten auf neu 365 bis 375 Mio. US-$ angepasst.

Die Anpassungen würden wegen Unterbrechungen in den Lieferketten nötig, wird CEO Bracken Darrell in der Mitteilung zitiert. Diese seien durch das Coronavirus beeinträchtigt.

Auch für die kommenden Jahre hat sich das Unternehmen weiteres Wachstum auf die Fahnen geschrieben, wie aus der Medienmitteilung vom Dienstag hervorgeht. So soll der Umsatz 2020/21 den Angaben zufolge im mittleren einstelligen Prozentbereich anziehen und beim Ebit peilt Logitech einen Wert zwischen 380 und 400 Mio. $ an.

Die Langfristaussichten bestätigte Logitech. So rechne man auf die lange Sicht weiterhin mit einem Wachstum im hohen einstelligen Bereich. Bei der Bruttomarge strebe man einen Bereich von 36 bis 40% und eine Ebit-Marge von 11 bis 14% an.



Film über angebliche Kinderarbeit auf Kaffee-Plantagen in Guatemala schlägt Wellen

(dpa)

Nach einem Fernsehbericht über angebliche Kinderarbeit auf guatemaltekischen Kaffeeplantagen will der Präsident des mittelamerikanischen Landes eine Gesetzesänderung auf den Weg bringen. Im britischen Fernsehsender Channel 4 wurde am Montagabend ein Film ausgestrahlt, der angeblich zeigte, wie Kinder in Guatemala Kaffee ernteten, der für den Verkauf durch die internationalen Marken Starbucks und Nespresso bestimmt war.

Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei betonte in einer Pressekonferenz, sein Land habe grosse Fortschritte im Kampf gegen die Kinderarbeit gemacht. Er beklagte, die Vorwürfe gefährdeten die Existenz der rund 500 000 Guatemalteken, die vom Geschäft mit dem Kaffee lebten.

Er verkündete aber auch die Gründung einer Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe unter Mitwirkung des Aussenministers und des Wirtschaftsministers. Giammattei kündigte ausserdem an, einen aus dem Jahr 2014 stammenden Gesetzesentwurf, der unter anderem eine Erhöhung des Mindestalters für Erwerbstätigkeit von 14 auf 16 Jahre vorsieht, wieder im Parlament einzubringen.

Nespresso teilte mit, umgehend Untersuchungen angestossen und Massnahmen ergriffen zu haben, als es von den Vorwürfen erfahren habe. Vor allem werde der Ankauf von Kaffee aus der betroffenen Region angehalten, bis man sicher sein könne, dass es dort keine Kinderarbeit gebe.

Hollywoodstar George Clooney, der Markenbotschafter von Nespresso, zeigte sich nach Medienberichten überrascht und traurig über die Vorwürfe. Das Unternehmen habe noch Arbeit vor sich, sagte er demnach. Er hoffe, dass der Journalist, von dem der Film stammte, die Zustände weiter untersuche.

Starbucks sagte der britischen Zeitung «The Guardian», es habe die Vorwürfe untersuchen lassen. Dies habe ergeben, dass das amerikanische Unternehmen keinen Kaffee von den Plantagen, die im Film vorkommen, angekauft habe.

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