Jetzt muss die Airline für verschütteten Kaffee haften

Jetzt muss die Airline für verschütteten Kaffee haften

Wirtschaft Verletzungen durch Heißgetränke

Jetzt muss die Airline für verschütteten Kaffee haften

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Der EuGH hat entschieden: Die deckellose Übergabe eines brühheißen Getränks und wackeliger Tisch sind Turbulenzen ebenbürtig Der EuGH hat entschieden: Die deckellose Übergabe eines brühheißen Getränks und wackeliger Tisch sind Turbulenzen ebenbürtig

Der EuGH hat entschieden: Die deckellose Übergabe eines brühheißen Getränks und ein wackeliger Tisch sind Turbulenzen ebenbürtig

Quelle: Getty Images/Folio Images RF

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Fluggesellschaften verantwortlich sind, wenn Passagiere durch verschütteten Kaffee verletzt werden. Der Fall erinnert an ein spektakuläres Heißgetränke-Urteil aus Amerika.

Der Getränkewagen rollt durch die Sitzreihen eines Niki-Flugzeugs. An Bord: österreichische Urlauber auf dem Weg von Wien nach Mallorca. Irgendwann hält die Flugbegleiterin bei einem Vater, dessen sechsjährige Tochter an seiner Schulter lehnt. Er bestellt einen heißen Kaffee, die Stewardess überreicht ihn dampfend und deckellos. Er stellt ihn vor sich auf den Klapptisch. Während er noch nach Milch fragt, rutscht der Becher in Richtung Kind und ergießt sich schließlich auf dessen Brust.

Die unschöne Geschichte, bei der die Sechsjährige Verbrennungen zweiten Grades erlitt, ereignete sich schon im Jahr 2015. Die Familie klagte auf Schadenersatz, doch die heute insolvente Niki beteuerte, der Vorfall sei nicht ihr Verschulden: Dem Unfall liege kein unerwartetes Ereignis zugrunde, hieß es. Inzwischen ist der Fall vom Obersten Gerichtshof Österreichs an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) weitergeleitet worden. Am Donnerstag verkündete dieser nun sein Urteil.

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Das höchste Österreichische Gericht forderte den EuGH auf zu prüfen, ob es sich um ein für die Luftfahrt typisches Ereignis handele und die Fluggesellschaft im Sinne des maßgeblichen Montrealer Übereinkommens haften müsse. In dem Abkommen für die Luftfahrtbranche ist unter anderem der Umgang mit Personenschäden geregelt. Normalerweise wird es bei schweren Turbulenzen und Abstürzen herangezogen.

Parallelen zum McDonald’s-Urteil

Bis zu 113.100 Sonderziehungsrechte pro Fluggast sieht das Übereinkommen für „verschuldensunabhängige Haftung“ vor. Sonderziehungsrechte sind eine künstliche Währung. Der Internationale Währungsfonds hat dieses „Weltgeld“ 1969 eingeführt. Derzeit beträgt eine Einheit 1,24 Euro. Die österreichische Familie verklagte die Fluggesellschaft zwar nicht auf die maximal möglichen 140.000 Euro Schadenersatz, aber immerhin auf 8500 Euro.

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Quelle: N24/Lukas Axiopoulos

Dieser Forderung gab der EuGH nun nach. Er urteilte, dass für eine Haftung kein „flugspezifisches Risiko“ nötig sei. Schon die Situation im Flugzeug genügt dem EuGH, um von einem Unfall zu sprechen: Die deckellose Übergabe eines brühheißen Getränks und ein wackeliger Tisch sind somit Turbulenzen ebenbürtig. Als Unfall gelte „jeder an Bord eines Flugzeugs vorfallende Sachverhalt“, in dem ein zur „Fluggastbetreuung eingesetzter Gegenstand“ einen Passagier verletze.

Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa hat noch keine Strategie entwickelt, wie sie auf das Urteil reagieren will. Man werde sich den Richterspruch zunächst „in Ruhe“ anschauen, teilte das Unternehmen auf WELT-Anfrage mit. Ob Heißgetränke weiterhin angeboten würden, Plastikdeckel zum Einsatz kämen oder mit dem Hinweis „auf eigene Gefahr“ serviert würden, ist damit zumindest beim Kranich-Konzern offen.

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Der Fall weckt Erinnerungen an den wohl berühmtesten und spektakulärsten Kaffeefall, in dem die Fastfood-Kette McDonald’s der Amerikanerin Stella Liebeck Mitte der 1990er-Jahre über eine halbe Million Dollar zahlen musste. Der Fall sorgte seinerzeit für Spott.

Obwohl Liebeck Verbrennungen dritten Grades erlitten hatte, als sie Milch und Zucker in den Becher zwischen ihren Beinen kippte, wurden TV-Parodien gedreht und Parolen wie „Der einfachste Weg zur Million“ ausgerufen. McDonald’s und andere Heißgetränkeanbieter veranlasste das Urteil dazu, ihre Becher mit Warnungen wie „Vorsicht heiß“ zu kennzeichnen.

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