Haushaltsbuch: Warum jeder eins führen sollte – und wie es funktioniert

Haushaltsbuch: Warum jeder eins führen sollte – und wie es funktioniert







Anastasia Nelen/ iStockphoto/ Getty Images

Ein warmer Sommerabend in Hamburg, meine Freunde und ich sitzen zusammen am Elbstrand und lassen das Wochenende ausklingen. Als Einzige in der Gruppe ist Anabell etwas schlecht drauf. Sie erzählt, dass sie den Winter in Südamerika verbringen will, dafür wollte sie sparen, doch so richtig geklappt, habe ihr Vorhaben nicht. „Ich habe viel weniger für die Reise zusammen, als ich eigentlich vorhatte. Irgendwie ist an den Wochenenden das Geld für Partys draufgegangen“, erzählt die Psychologiestudentin. Mal wieder habe sie das Gefühl, mehr Geld auszugeben, als es eigentlich nötig sei.

Ich erzähle an diesem Grillabend meinen Freunden, dass ich ein Haushaltsbuch führe, weil es mir hilft, meine Ausgaben im Griff zu behalten. „Puh, das ist doch was für Spießer und Langweiler“, meint Anabell und guckt mich skeptisch an.

Diese Reaktion erhalte ich immer wieder, wenn ich Freunden und Bekannten von meinem Haushaltsbuch erzähle. Und ja, es klingt tatsächlich etwas spießig, eine Übersicht über seine Ausgaben und Einnahmen zu führen, aber diese Bestandsaufnahme ist nun mal die Basis für einen langfristigen erfolgreichen Umgang mit Geld.

Bevor man sich damit beschäftigt, wie man seine Einkünfte gewinnbringend anlegt, sollte man sich zunächst mit allen Geldgeschäften auseinandersetzen, die man im Alltag tätigt. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zum finanziellen Glück. Wer das gemacht hat, kann eine langfristige Strategie für den Vermögensaufbau verfolgen.



Titel: Young Money Guide: Richtig mit Geld umgehen und mehr vom Leben haben

Herausgeber: Penguin Verlag

Seitenzahl: 272

Autor: Jauernig, Henning

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12.02.2020 09:28 Uhr

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Davon abgesehen: Nur weil ich mir jeden Monat aufschreibe, wofür ich mein Geld ausgegeben habe, heißt das ja noch lange nicht, dass ich extrem geizig bin und auf jeden Cent achte. Im Gegenteil: Weil ich weiß, wie viel ich für welche Dinge im Monat zur Verfügung habe, kann ich im Alltag viel entspannter mit meinem Geld umgehen. Ehrlich gesagt, gebe ich es sehr gerne aus, nur will ich am Ende des Monats wissen, wofür.

Später am Grillabend verabrede ich mit Anabell, dass sie einen Monat lang ein Haushaltsbuch führt und mir anschließend von ihren Erfahrungen erzählt. Denn gerade für Menschen, die sich ständig darüber wundern, dass sie zu wenig Geld haben, kann so eine Kostenaufstellung sehr wichtig sein. Sie entlarvt überflüssige Ausgaben und hilft dabei, Sparpotenziale zu entdecken. Im besten Fall bleibt so am Ende des Monats mehr übrig. Das zu erkennen, tut jedem gut. Selbst relativ einkommensstarke Berufseinsteiger haben wegen steigender Mieten und höherer Lebenshaltungskosten das Gefühl, mit ihrem Geld nicht hinzukommen. Egal, ob man 5000 Euro verdient oder 800 – ein Haushaltsbuch zu führen, ist für jeden sinnvoll.

Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 28 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fondsanteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Das Gute an einer solchen Kostenaufstellung: Man erkennt sofort seine Konsumgewohnheiten, ausgedrückt in Eurobeträgen. Oder wissen Sie auf Anhieb, wie viel Geld Sie im Monat für Restaurantbesuche oder den Imbiss zwischendurch ausgeben?

Den meisten Menschen ist es einfach zu lästig, solch ein Haushaltsbuch zu führen. Natürlich ist es unglaublich nervig, alle Kassenzettel zu sammeln und die Zahlenkolonnen in ein Buch oder in eine Excelliste zu übertragen. Aber keine Sorge, ich will niemandem ein neues Hobby noch einen Zweitjob verschaffen. Denn das Ganze geht inzwischen viel einfacher. Ich zum Beispiel versuche im Alltag fast nur noch mit meiner EC-Karte zu bezahlen. Bargeld nutze ich nur dort, wo es nicht anders geht. Denn dann sehe ich am Ende eines jeden Monats in meinem Online-Bankkonto, wofür ich mein Geld ausgegeben habe, denn dort sind alle Kartenabbuchungen aufgelistet. Einige Banken übertragen Buchungen vom Onlinebanking-Konto inzwischen direkt in ein digitales Haushaltsbuch, sofern der Kunde das wünscht.

Ich addiere derzeit noch selbst die Posten und ordne sie in einer Exceltabelle Kategorien wie Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Urlaub und Kleidung zu. So bekomme ich einen guten Überblick. Alle Ausgaben, für die ich Bargeld verwendet habe, fasse ich unter dem Punkt „Sonstige Bargeldausgaben“ zusammen. Natürlich ist das nicht ganz genau, weil ich zum Beispiel Bargeld für ganz verschiedene Dinge ausgebe, etwa für Kneipenbesuche, Brötchen beim Bäcker oder eine Zeitschrift im Kiosk. Aber für einen groben Überblick reicht mir das völlig aus. Denn ein Haushaltsbuch kostet umso mehr Zeit, je mehr Kategorien es hat. Wer die täglichen Ausgaben noch nach Bäcker, Café und Kino aufteilt, muss tatsächlich eine Menge aufschreiben.

Eine App kann helfen

Wer es genauer haben will und noch weniger Zeit für die Aufstellung seiner Finanzen aufwenden möchte, kann auch eine App nutzen. Inzwischen gibt es unzählige Apps, die einem die Arbeit abnehmen. Beim Einkauf können Ausgaben direkt per Smartphone verbucht, vertaggt und gespeichert werden. Die Auswertung erfolgt dann automatisch in hübschen Tortengrafiken. Spaß macht das den meisten Leuten dann immer noch nicht, aber zumindest muss man nicht mehr mit Zettel und Stift herumhantieren. Man muss aber bei jeder Ausgabe kurz die App öffnen und den Betrag eingeben, den man gerade ausgegeben hat. Ich spare mir das, weil ich mich nur einmal am Ende eines jeden Monats in mein Online-Bankkonto einlogge.

Einen anderen Weg gehen Apps wie Finanzguru, Mint und Finanzblick: Sie lassen sich automatisch mit dem Bankkonto verknüpfen und listen übersichtlich auf, wofür der Nutzer sein Geld ausgegeben hat, gut sortiert nach regelmäßigen und einmaligen Ausgaben. Das finde ich sehr hilfreich, weil man bis auf die Verknüpfung gar keine Arbeit mehr mit dem Haushaltsbuch hat. Die hilfreichen Apps machen sich beim Datensammeln künstliche Intelligenz zunutze und prognostizieren, welche Geldflüsse wann zu erwarten sind und wie lange das Geld auf dem Konto noch reichen wird.

Doch es gibt auch Nachteile beim Verwenden solcher Finanzapps. Manchmal sind sie kostenpflichtig, und Einsteiger müssen sich erst einmal in die Funktionsweise der App einfinden, das braucht etwas Zeit. Außerdem gibt es keine absolute Sicherheit, dass der Anbieter die sensiblen Daten der Kunden auch wirklich vertraulich behandelt.

Wichtig ist, für sich selbst herauszufinden, wie man im Alltag möglichst schnell einen Überblick über seine Finanzen bekommt. Ich erinnere mich an einen Kommilitonen, der an der Kölner Uni in einer Mathevorlesung neben mir saß und damit beschäftigt war, die Exceltabelle seines Haushaltsbuchs zu programmieren. Was für ein übertriebener Aufwand, dachte ich mir, denn grundsätzlich gilt: Das Thema Finanzen sollte nicht unser ganzes Leben bestimmen. Im Gegenteil, wer möglichst effizient seine Finanzen im Blick hat, hat mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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Ähnlich ist es Anabell beim Führen ihres Haushaltsbuchs ergangen: Sie sammelte alle Kassenzettel und übertrug die Zahlenkolonnen auf ihren PC. Auf Dauer sei ihr das viel zu nervig, erzählte sie mir hinterher am Telefon, als wir über ihre Erfahrungen sprachen. Dennoch habe sich das Experiment für sie gelohnt. „Ich war wirklich erschrocken, wie viel Geld ich für unnötige Dinge ausgebe“, sagte sie. Nun überlege sie, gewisse Ausgaben zu überdenken.

Anabell pflegt für eine Studentin einen relativ hohen Lebensstandard. In ihrer Freizeit geht sie gerne mit ihren Freunden in Restaurants oder Bars, für rund hundert Euro im Monat kauft sie neue Kleidungsstücke, auch für ihr Hobby Yoga gibt sie gerne Geld aus. Das Führen des Haushaltsbuchs habe ihr gezeigt, dass sie mit deutlich weniger Geld auskommen würde und mehr zurücklegen könnte. „Mir ist aufgefallen, dass ich viel zu viel Geld für Essen ausgebe, wenn ich unterwegs bin.“

Gerade die kleinen, unregelmäßigen Posten hätten sich zu erstaunlich hohen Beträgen summiert. Außerdem geht sie alle paar Tage bei Edeka einkaufen. Günstiger wäre es, zu einem preiswerteren Supermarkt zu gehen, der etwas weiter von ihrer Wohnung entfernt ist, und dort größere Mengen zu kaufen. „Es vergeht fast kein Tag im Monat, ohne Geld auszugeben – das finde ich schon krass“, stellt sie fest. Auch das Online-Shopping lasse sich deutlich einschränken.

Anabell hat nun vor, mehrere Monate lang ein Haushaltsbuch zu führen, und hofft so, mehr Geld für ihre Südamerikareise zu sparen. Meistens reicht es völlig aus, nur eine gewisse Zeit Buch zu führen, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Wir brauchen das gar nicht unser Leben lang zu tun. Wer einmal seine größten Posten analysiert hat, muss nicht mehr ständig jeden Euro, den er ausgibt, aufschreiben.

Gleichwohl ist es sinnvoll, wieder damit anzufangen, wenn sich in finanzieller Hinsicht etwas verändert. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man eine Teilzeitstelle annimmt und plötzlich mit weniger Geld auskommen muss. Oder umgekehrt, wenn etwa durch einen Jobwechsel das Gehalt steigt und man dadurch am Ende jedes Monats die Sparquote erhöhen kann.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Young Money Guide“, das am 13.Januar 2020 erschienen ist.

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