E-Commerce: Singles‘ Day in China bricht erneut alle Rekorde

E-Commerce: Singles‘ Day in China bricht erneut alle Rekorde

Düsseldorf Entgegen den Erwartungen vieler Konjunkturexperten hat der Singles‘ Day in China wieder alle Rekorde gebrochen. So wurden während des Onlineshopping-Events am 11. November allein über die Plattform des Marktführers Alibaba nach Angaben des Unternehmens Waren im Wert von umgerechnet 38,4 Milliarden US-Dollar verkauft. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr von 26 Prozent.

Noch stärker legte der Alibaba-Konkurrent JD.com zu. Die Umsätze stiegen zum Vorjahr um 28 Prozent auf umgerechnet rund 29 Milliarden Euro. Besonders hohen Anklang habe das Shoppingevent in diesem Jahr auch in kleineren Städten gefunden. Die Zahl der Kunden wuchs dort nach Angaben von JD.com sogar um 60 Prozent.

Direkt vergleichbar sind diese Zahlen jedoch nicht. So beziehen sich die Angaben von JD auf die Periode vom 1. bis zum 11. November. Alibaba gibt nur für den 11. November den Umsatz an, den eigentlichen Singles‘ Day. Viele Kunden legen sich jedoch schon Wochen vorher, in der sogenannten Pre-Sale-Phase, zahlreiche Produkte in den Warenkorb, und drücken erst am eigentlichen Tag auf den Bestellknopf.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass bei beiden Marktplätzen ein hoher Anteil an Retouren das Ergebnis nachträglich drücken dürfte. Denn ein immer höherer Teil der Käufe am Singles‘ Day sind Umfragen zufolge Modeartikel, die besonders häufig wieder umgetauscht werden.

Das Wirtschaftswachstum in China weist zurzeit die niedrigsten Werte seit fast 30 Jahren auf. Das Bruttoinlandsprodukt war in den ersten neun Monaten nur um 6,2 Prozent gestiegen. Der Konsum lässt sich davon aber offenbar nicht anstecken.

Die Wachstumsraten von Alibaba und JD.com übertreffen sogar die bereits optimistischen Schätzungen des Marktforschers Tempodata, der mit einem Zuwachs von 25 Prozent gerechnet hatte. Die Verkäufe am Singles‘ Day gelten in China als wichtiges Konsumbarometer.

Dazu kommt: In diesem Jahr hat sich gezeigt, dass der Singles‘ Day immer weniger ein reines Schnäppchenfestival ist. Etliche Markenartikelhersteller – auch aus Europa – führen an diesem Tag gezielt neue Artikel im chinesischen Markt ein.

„Viele nutzen diesen Tag, um neue Produkte an den Start zu bringen, die eigens für den chinesischen Konsumenten entwickelt oder adaptiert wurden“, beobachtet Karl Wehner, Deutschland-Geschäftsführer von Alibaba. Als Beispiel nennt er den Konsumgüterhersteller Nestlé. Das Unternehmen habe die besondere Aufmerksamkeit an diesem Tag genutzt, um erstmals Kaffeemaschinen der Marke „Dolce Gusto“ in China zu verkaufen.

Andere Hersteller kreierten spezielle Verpackungen oder Geschmacksrichtungen für den 11. November. Experten bestätigen diesen Trend. „Chinesische Verbraucher sind nicht mehr auf der Suche nach Rabattposten, sondern erwarten neue, relevante und qualitativ hochwertige Produkte zu einem niedrigen Preis“, erklärt Peter Heckmann, Handelsfachmann der Strategieberatung Alix Partners.

Das habe auch den Vorteil, dass es bei neuen Produkten noch keine Referenzpreise gibt. Deswegen können die Konsumenten den gebotenen Rabatt nicht so gut einschätzen. Markenhersteller können so ihre Gewinnmargen hoch halten, was bei Shopping-Events wie dem Black Friday oder dem Cyber Monday häufig eins der größten Probleme ist.

Der Singles‘ Day hat seinen Namen durch die vier Einsen im Datum 11. November. Ursprünglich entstand er in den 1990er-Jahren an chinesischen Universitäten. An diesem Tag beschenkten sich alleinstehende Studenten. Alibaba machte daraus ein kommerzielles Event mit Milliardenumsätzen.

Mehr: Auch deutsche Marken wollen profitieren. So fiebern Aldi und Alpecin dem Singles‘ Day entgegen.

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