Buch über Cafés: „Kaffee ist der Duft meiner Kindheit“

Buch über Cafés: „Kaffee ist der Duft meiner Kindheit“

Die Autorin Diana Hillebrand hat über ihre Ausflüge in Cafés rund um München ein Buch geschrieben. Es ist bereits ihr zweites „koffeinhaltiges“ Werk.

Den Duft von frisch gebrühtem Kaffee in der Nase, dazu das Geräusch aufschäumender Milch zum leisen Geplauder der Gäste im Ohr – für Diana Hillebrand ist das der Soundtrack ihrer Kreativität. Immer dann, wenn sie eine Idee für eine Kurzgeschichte, eine Inspiration für ihren aktuellen Roman oder einen Einfall für die nächste Lehrstunde ihrer Schreibworkshops braucht, zieht es die Münchner Autorin ins Café. Inmitten der bunt gemischten Besucherschar findet die 48-Jährige genau die Ablenkung, die sie braucht, um Protagonisten zu erfinden oder den Plot ihrer nächsten Geschichte einzufädeln.

Immer mit dabei: ihre Kladde und ein Stift, denn Hillebrands Gedanken fließen im Café handschriftlich am besten aufs Papier. Und mit einer guten Tasse Kaffee holt sie sich letztlich den Kick für das konzentrierte Arbeiten später im heimischen Schreibbüro. Eigentlich war es naheliegend, dass Hillebrand aus ihrer Leidenschaft für Cafés ein Buch macht. „Zuhause im Café: Eine koffeinhaltige Reise durch München“ hat sie es genannt. Nun, zwei Jahre später, gibt es die Fortsetzung, dieses Mal geht es um „Koffeinhaltige Ausflüge rund um München“.

Autorin

Diana Hillebrand, 48, hat bereits mehrere Kinderbücher, Ratgeber, Kurzgeschichten und einen Roman veröffentlicht. 2017 erschien der erste Band von „Zuhause im Café“, in dem sie Münchner Kaffeehäuser vorstellt.

(Foto: Jürgen Hillebrand/oh)

„Kaffee ist der Duft meiner Kindheit“, sagt Hillebrand. Aufgewachsen ist sie im westfälischen Sauerland. Damals, in Plettenberg, sei den ganzen Tag lang die Kaffeemaschine gelaufen, „jeder konnte vorbeikommen und eine Tasse Kaffee trinken“, erinnert sie sich. Und immer, wenn ihr in ihrer Wohnung die Decke auf den Kopf fällt, zieht es sie nun ins Kaffeehaus.

Die Idee, aus ihrer Leidenschaft ein Buch zu machen, hatte Hillebrand schon lange. Allein an der Zeit habe es gemangelt. Für die Recherche der 35 Cafés, die sie auf ihrer neuen koffeinhaltigen Reise vorstellt, war sie unter anderem in Pöcking, Pullach, Pastetten, aber auch in Bad Tölz, Freising oder in Forstinning unterwegs. „Ein Jahr ist da schnell vergangen“, sagt sie. So habe sie zunächst etwas ausgefallenere Cafés finden müssen, dann Termine mit den Betreibern ausmachen und natürlich ausreichend Zeit mitbringen müssen, um die Atmosphäre mit allen Sinnen spüren zu können. „Am Anfang hatte ich Angst, dass ich nicht genug Geschichten zusammenbringe“, erzählt Hillebrand.

Aber dann lernte sie zum Beispiel Claudia Augustin kennen, die in Dachau das Café Zaunkönig betreibt. Die gelernte Restaurantfachfrau war mal Betriebsleiterin im Löwenbräukeller und hat auf der Wiesn als Bedienung gearbeitet. Schon deshalb gibt es genug zu erzählen. Am besten im üppig begrünten Innenhof, der es Hillebrand besonders angetan hat, weil er nicht nur für die Gäste, sondern auch für Vögel ein Paradies ist.

  • Eigentlich kannte die gelernte Restaurantfachfrau Claudia Augustin nur das Dachauer Umland. Dort hatte sie ihre beiden Pferde stehen. In die Kreisstadt kam die Münchnerin erst bei der Verabredung zu einem Kaffee mit einer Freundin. Ihr gefiel Dachau sofort. „Hier möchte ich wohnen“, habe sie sich gedacht – und am besten auch arbeiten. Welch guter Zufall, dass sie auf das Ehepaar Zauner traf, die ihr gleichnamiges Café aus persönlichen Gründen aufgeben mussten. Augustins Cousine hat in den Gastraum viele bunte Vögel gemalt, an den Naturholztischen mit den weißen Stühlen kann man sich Etageren mit köstlichen Frühstückskreationen servieren lassen. Mittags gibt es Currys und hausgemachte Suppen und freitags kesselfrische Weißwürste. Ausgeschenkt wird Bio-Espresso und tansanischer Ngorongoro-Filterkaffee von der Rösterei Dinzler.

  • Wie Kaffee schmecken muss, hat Manuela Cebulla in Wien gelernt, wo sie sich zur Chef-Diplom-Kaffee-Someliere ausbilden ließ. Das, zusammen mit einer Ausbildung zur Hotelfachfrau und einem BWL-Studium, war Grundlage genug für eine erfolgreiche Selbständigkeit. Eigentlich sollte es „nur“ ein Café werden, aber dann hörte Cebulla von einer Röstmaschine namens Lotte, die herumstehe. In ihrem Moosburger Café sitzen die Gäste nun vor großen, hellen Schaufenstern inmitten von Kaffee, den sie riechen können, weil Cebulla ihn frisch abfüllt. Ihre Röstungen müssen nicht immer gleich schmecken – übrigens eines der Geheimnisse der „Bohnenfee“, denn sie verlässt sich beim Rösten neben allem Wissen auch auf ihr Gefühl. Cebullas Favorit ist Filterkaffee, am besten lauwarm, „denn dann lupft er sein Röckchen und man merkt, ob er einem gut schmeckt“.

  • Die Möbel sind gebraucht und das Geschirr stammt von Freunden – und dann haben Daniela Sainer und Anja Geßner noch selber Hand angelegt: Entstanden ist ein unnachahmliches Café im Herzen von Seeshaupt. Hier können sich die Besucher mit Kaffee aus der „Röstperle“, Schnaps aus Jennhausen oder Wein aus Feldafing verwöhnen lassen. Besucher finden außerdem die besten Tipps für Ausflüge rund um den Starnberger See, denn das Café Sainerzeit beherbergt nebenbei die örtliche Touristeninformation. Die passenden Mitbringsel finden Reisende auch – Sainer und Geßner verkaufen Werke heimischer Künstler oder Buchautoren. Zum Frühstück werden Gerichte serviert, die Zenzi, Burgl oder Annamirl heißen, die Kuchen sind hausgemacht. Und der Kaffee heißt vielversprechend „Schwarzes Gold“ und wird mit einer alten „Cimbali“-Espressomaschine zubereitet.

  • In der ehemaligen Schmiede und Wagnerei in Forstinning ist der Name Programm. Das Café Zeitschmiede verbindet die Geschichte des Hauses mit der Philosophie, den schnelllebigen Alltag hinter sich zu lassen – so zumindest wünschen es sich Marcus Stimmer und seine Frau Angela. Stimmer hat das Haus von seiner Großtante geerbt und das Ladenlokal in ein gemütliches Wohnzimmer mit Tapeten, Holzstühlen, gerahmten Bildern und Stehlampen verwandelt. Hin und wieder finden kleine Kultursalons statt. Das Ehepaar serviert nur, was es selber essen und trinken würde, vorwiegend in Bio-Qualität. Der Kaffee stammt aus der Andechser Kaffeerösterei. Absolute Besonderheit: In einem eigens eingerichteten Nebenraum können sich die Gäste von Angela Stimmer mit einer Achtsamkeitsmassage verwöhnen lassen.

    Texte: Karin Kampwerth

    Fotos: Johannes Schimpfhauser

Die Geschichte von Maria Jost hat Hillebrand ebenfalls begeistert. „Marias Café“ befindet sich ganz untypisch in einem Mehrfamilienhaus in Markt Indersdorf und empfängt die Gäste an der Eingangstür mit dem Wunsch: „Ab hier bitte lächeln.“ Maria Jost ist mit ihrem Café quasi sesshaft geworden, denn sie stammt aus einer Schaustellerfamilie. Ehemann Erich, der einst ein Riesenrad betrieben hat, lernte sie auf dem Dachauer Volksfest kennen. Aus der Zeit des Umherziehens stammen viele kleine Erinnerungen: Steinkrüge vom Tegernsee, Wiesn-Herzerl oder Flechtkörbe von Hacker-Pschorr.

Doch nicht nur Cafés hat Hillebrand auf ihrer Reise rund um München kennen- und liebengelernt. Auch kleine, feine Röstereien im Umland, die ihren Kaffee ausschenken, haben ihr Herz erobert. So wie das Wildcafé in Garmisch-Partenkirchen. „Leonhard Wild trägt seinen Namen zu Recht. Denn die Geschichte von ihm und seiner Frau Stefanie, die gemeinsam die Wildkaffee Rösterei leiten, ist tatsächlich wild!“, schreibt Hillebrand in ihrem Buch.

So war Stefanie Wild mal Skirennläuferin und holte WM-Gold bei den Junioren; ihr Mann Leonhard stand in der Eishockey-Bundesliga beim EHC München im Tor. Zum Kaffee sind die beiden gekommen, weil sie sich verletzungsbedingt nach einer neuen Aufgabe umsehen mussten. Seit elf Jahren nun rösten sie ihren Wildkaffee, seit 2014 gibt es das dazugehörige Café, „denn die Leute wollten zu uns kommen und den Kaffee vor Ort genießen“, zitiert Hillebrand Leonhard Wild.

Das Kaffeeangebot und die Zubereitung war eines der Auswahlkriterien, nach denen die Autorin die Cafés für ihr Buch ausgesucht hat. „Vollautomat geht gar nicht“, findet sie. „Aber eine gute Siebträgermaschine ist schon die halbe Miete.“ Wenn die Bohnen dann noch von einer regionalen Rösterei kommen, schmecke man das einfach, schwärmt Hillebrand. Der Kaffee sei zwar teurer als die bekannten Supermarktmarken, „aber vom Geschmack eben auch ein himmelweiter Unterschied“.

Doch weil man vom Kaffee allein nicht leben kann, bieten die Gastgeber aus Hillebrands Buch Kuchen und meist auch kleine feine Mittagsgerichte an. Lieblingsrezepte vom Mohnkuchen nach Oma Lene über die Beeren-Smoothie-Bowl bis zur Piadina mit Ziegenkäse hat Hillebrand im Buch gleich mit festgehalten.

Diana Hillebrand liest am Sonntag, 6. Oktober, bei einer guten Tasse Kaffee um 16 Uhr im Hof des Verlags, Neumarkter Straße 23, aus ihrem neuen Buch. Anmeldungen unter kontakt@volkverlag.de

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