Bei dem Treffen mit der Führung der Grasshoppers gibt es Kaffee und selbstgemachten Kuchen

Bei dem Treffen mit der Führung der Grasshoppers gibt es Kaffee und selbstgemachten Kuchen

Sportlich sind die Grasshoppers in der Challenge League einigermassen auf der Höhe. Aber die Suche nach neuen Geldgebern beginnt mit Blick auf die Zukunft bereits zu drängen.

Stephan Ramming, Niederhasli

Andras Gurovits, der GC-Präsident ad interim, ist daran den verbeulten Klub in der Challenge League zu stabilisieren. (Bild: Walter Bieri / Keystone)

Andras Gurovits, der GC-Präsident ad interim, ist daran den verbeulten Klub in der Challenge League zu stabilisieren. (Bild: Walter Bieri / Keystone)

Die Momentaufnahme zeigt an diesem sonnigen Oktobernachmittag ein freundliches Bild. «Draussen wird Fussball gespielt, wir haben Kaffee und selbstgemachten Kuchen – der Campus ist doch ein super Ort, ich bin trotz der Lage abseits der Stadt stets gerne hier.»

Andras Gurovits sagt das, der Anwalt sitzt in der Campus-Cafeteria. Gurovits ist der einzige GC-Verwaltungsrat und deshalb automatisch der GC-Präsident, ad interim heisst das offiziell. Denn gewählt wurde er nicht, er war im Juni einfach der einzige im VR, der nicht davongelaufen ist nach dem Abstieg und dem Durcheinander mit dem Kurzzeitpräsidenten Stephan Rietiker.

«Wir sind auf Kurs»

Nun ist Gurovits daran, den verbeulten Klub in der Challenge League zu stabilisieren. Das braucht Zeit, das bedeutet Arbeit. So ist Gurovits nur noch selten in der Kanzlei an der Bahnhofstrasse anzutreffen. Er wird von den GC-Besitzern Peter Stüber und Stephan Anliker direkt entlöhnt. «Das geht nicht anders, wenn ich zu hundert oder hundertfünfzig Prozent für den Klub arbeite», sagt er.

Gurovits gibt den Medien am Mittwoch zusammen mit dem Trainer Uli Forte und dem neuen Geschäftsführer und Sportchef Fredy Bickel in einer entspannten Runde Auskunft über den Stand der Dinge. Es ist eine Art Rückblick nach drei Monaten als Absteiger. Und es ist ein erster Auftritt der GC-Führung, nachdem Bickel vor drei Wochen mit der Arbeit angefangen hat. «Die Zusammenarbeit funktioniert gut», sagt Gurovits, «wir sind auf Kurs.»

Sportlich ist das Team im zweiten Rang platziert, trotzdem will er das Wort «Aufstieg» nicht in den Mund nehmen. «Wir setzen uns nicht unter Druck», sagt Gurovits, «wir wollen jedes Spiel gewinnen und schauen am Schluss, was dabei herauskommt.» Mit 13 Millionen Franken hat GC nach Lausanne mit Abstand das grösste Budget in der Challenge League.

Dass sich Gurovits nicht zum Bekenntnis durchringen mag, den Aufstieg als Saisonziel auszugeben, hat auch mit der wirtschaftlichen Ungewissheit zu tun. Denn mit welchem Budget GC die kommende Saison in Angriff nehmen wird, ist unklar. Spätestens Ende Februar muss die Lizenz beantragt werden. «Bis dahin brauchen wir eine Lösung», sagt Gurovits. Weil es diese Lösung nicht gibt, sei auch «das Szenario Amateurfussball nicht vom Tisch».

Die beiden Aktionäre Stüber und Anliker decken das budgetierte Defizit von rund 6,5 Millionen Franken in dieser Saison. Von Stüber weiss man, dass er seinen Anteil loswerden möchte. Der 82-jährige Auto-Importeur ist daran, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, und übergibt die Leitung an seine Tochter. Auch Anliker, wie Stüber zu 45 Prozent beteiligt, ist grundsätzlich bereit, seine Anteile abzugeben. Gurovits sagt, er sei von den Besitzern beauftragt worden, nach neuen Geldgebern Ausschau zu halten. «Wir haben drei, vier Interessenten, mit denen ich gute Gespräche geführt habe», sagt Gurovits, mehr könne er aber nicht verraten. Von einem Angebot des Spielervermittlers Jorge Mendes und Investoren aus China hat Gurovits keine Kenntnis. Er wisse nicht, woher dieses Gerücht komme.

Gemeinsame YB-Vergangenheit

Gurovits tönt in seinen Ausführungen über die Suche nach neuen Geldgebern so, wie schon Anliker und seine Vorgänger getönt haben. Sportlich aber gibt die Ausgangslage für den weiteren Saisonverlauf Anlass zu Zuversicht, wie sie in den letzten Jahren in der Super League nie zu spüren war. «Nach 11 Runden mit 23 Punkten vier Zähler hinter Lausanne – das hätte ich vor der Saison sofort unterschrieben», sagt der Trainer Uli Forte.

Mit Fredy Bickel hat Forte einen alten Bekannten als neuen Vorgesetzten erhalten. Bickel hatte Forte bei YB entlassen. Die alte Geschichte sei «schon vor Jahren besprochen und geklärt» worden, sagen beide, es sei ein Vorteil, dass man sich kenne. Bickel hatte noch wenig Zeit, um sich der Mannschaft zuzuwenden, weil er sich vor allem um den Betrieb auf der Geschäftsstelle kümmern musste. «Die Arbeit macht riesig Freude», sagt Bickel. Es ist Oktober, die Sonne scheint.

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